Deutsch (DE-CH-AT)English (United Kingdom)
Grosse Forellen in Finnland PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Samuel Gründler   
Mittwoch, 21. Oktober 2009 um 21:03 Uhr

Grosse Forellen erwartet man in Finnland. Spätest beim Blick auf die Landkarte versteht man schnell welches ungeheure Potential in diesen abertausenden von Seen für Seeforellen schlummert.

Die Realität sieht jedoch düster aus. Auch im hohen Norden hat der Mensch seinen Tribut gefordert. Um die hohen Reparationszahlung an Russland nach dem zweiten Weltkrieg zu bezahlen, wurden über 90% der Bäche und Flüsse für den Holztransport "umgebaut". Selbst kleiste Bäche wurden für den Stammholztransport verbaut, kanalisiert und gestaut. In Bächen und Flüssen wurden sämtliche grosse Steine entfernt oder gesprengt. Die zahlreichen Dämme und Mühlen für die Wasserkraftnutzung und die Wasserverschmutzung (v.a. durch die vielen Papierfabriken) taten ihr übriges dazu bei die Lebensräume der Forellen in grossen Teilen Finnlands zu zerstören.

Noch in den 50er Jahren wurden in einem Zufluss des Paijänne (dem 3. grössten See Finnlands) tausende von Seeforellen gefangen - mit einem Durchschnittsgewicht von 5-6 kg (!!). Heutzutage steigen aus dem Paijänne mit seinen über 1000 km2 gerade noch knapp 100 Laichfische in die Flüsse und Bäche auf!

Die Ursachen haben sich jedoch gewandelt. Das Wasser ist sauber geworden die letzten Jahre und Finnland hat beispielshaft sämtlich Bäche und Flüsse, welche der Flösserei dienten renaturiert. Auch die meisten Karftwerke verfügen nun über einen Fischpass. Es stehen den Forellen folglich wieder riesige Gebiete für das Laichgeschäft zur Verfügung und die renaturierten Bäche bieten beste Lebensräume für die aufwachsenden Forellen. Warum haben sich die Forellenbestände folglich nicht erholt?

In Finnland ist die Fischerei in der Bevölkerung verankert wie wohl in keinem anderen Land der Welt. Über 40% der Bevölkerung fischen gelegentlich. Der Hauptgrund für das Fehlen der Forellen begann in den 70er Jahren mit dem Siegeszug der Nylonnetze. In Finnland speziell ist, dass jederman für ein paar wenige Euro ein Netzfangrechte erwerben kann - und dies wird intensiv betrieben! Obwohl das Land fast 200'000 Seen beherbergt, sind in den meisten Seen die Forellen und auch Zanderbestände massiv überfischt. Besonders fragwürdig scheint aus fischereipolitischer Sicht, dass eine Erlaubnis zum Netzfang für ein Jahr für knapp 2-5 Euro zu kaufen ist, während dem eine Jahreskarte zum Fischen mit Rute und Rolle mindenstens 30 Euro kostet (was immernoch sehr günstig ist). So ist Finnland heute in der absurden und traurigen Situation, dass beste Lebensräume vorhanden sind, die Bestände durch die Netzfischerei aber praktisch zerstört sind!

Trotz besten Lebensraumbedingungen sind solch wilde Forellen deshalb extrem selten geworden in Zentralfinnland. Diese aufsteigende Seeforelle wurde beim alljährlichen Elektrofischen nach der Laichzeit gefangen. Der Fisch wurde 2004 mit einer Länge von 19cm markiert. Diesen Herbst war die Forelle 69cm lang und wog über 3.7 kg. Leider eine der wenigen welche den Netzen entkommen ist...

Finnische Brown Trout

PS: Dies ist ein Beispiel von Überfischung durch unkontrollierte Netzfischerei in Finnland und soll keineswegs als Angriff auf die Schweizer Berufsfischer gewertet werden!